Trauerfälle in der Schule oder im Kindergarten

Trennungen begleiten - Trösten

Trennungen sind ein wesentlicher Bestandteil unseres Lebens, sie lösen heftigste Gefühle in uns aus, machen uns Angst. Oftmals fühlen wir uns in diesen Situationen hilflos dem Chaos der Welt ausgeliefert, denn durch Trennungen werden wir immer wieder daran erinnert, dass wir uns von etwas Vertrautem, etwas, an dem wir uns bislang orientiert haben, etwas, das uns Sicherheit und Geborgenheit gegeben hat, trennen müssen.
Erwachsene haben jedoch im Unterschied zu Kindern durch ihre eigene Sozialisation gelernt, mit diesen Gefühlen zu leben, sie unter Kontrolle zu halten und in die Realität einzuordnen. Denn parallel zu diesen Gefühlen haben wir das Bewusstsein darüber erworben, dass wir diese Trennungen benötigen, um unseren eigenen individuellen Weg zu finden. Wir wissen, dass nur da, wo etwas zu Ende geht, etwas Neues beginnen kann, und die Auseinandersetzung mit dem Prozess des Abschieds wesentliche Voraussetzung dafür ist, das Neue wahrzunehmen und daran zu wachsen.
Doch bei aller Eigenmotivation, mit einer gewollten oder ungewollten Trennung klarzukommen, wissen wir auch um die Bedeutung von vertrauten Menschen, die uns bei der Bewältigung behilflich sind, Verständnis aufbringen, aber uns auch zunehmend in die Realität zurückführen.
Kinder haben noch nicht das Wissen, dass sie sozusagen Trennungen brauchen, um sich weiterentwickeln zu können; insofern sind sie in größerem Maße auf Menschen angewiesen, die sie in Krisenzeiten begleiten - trösten.
Trennungen, Krisen und Abschiede sind jedoch oftmals Themen, die wir eher nicht so gerne mit Kindern besprechen, weil sie uns selbst zu sehr schmerzen oder wir die Kinder vor diesen heftigen Gefühlen bewahren wollen.
Doch durch Schweigen, Nicht- oder ausweichende Antworten nehmen wir ihnen - zusätzlich zum eigentlichen Verlust - noch die Offenheit und Nähe der ihnen vertrauten Menschen, nehmen ihnen die Chance, sich ihre Natürlichkeit dieser Gefühle zu bewahren, nehmen ihnen die Möglichkeit, diese, wenn auch unangenehmen Gefühle zu akzeptieren, da sie, um zukünftig Krisen begegnen zu können, eine wichtige Funktion einnehmen.
Auch durch den z.B. schnellen Ersatz von gestorbenen Haustieren versagen wir ihnen einen wichtigen Teil menschlicher Erfahrung, versagen wir ihnen, sich mit sich selbst auseinandersetzen zu müssen. Bei aller Liebe können wir Kinder nicht verschonen vor der Konfrontation mit Trennungen: Wir können diese Situationen nicht wegmachen, nicht verschönern, sondern Kindern lediglich Hilfen für den Umgang mit Gefühlen anbieten, wir können durch Trost den positiven Aspekt von Trennungen vermitteln: ein bisschen Hoffnung:
Wobei Trost nicht die wahllose Erfüllung materieller Wünsche ist, auch nicht das Dramatisieren von Schmerz, Trost ist auch nicht die Abwertung dessen, Trost ist vielmehr, sich Zeit zu nehmen, um Einblick in die kindliche Vorstellungs- und Erlebniswelt zu bekommen, um wahrzunehmen, was welchen Stellenwert für das Kind hat. Trost muss angemessen “verteilt” werden um im Verhältnis zum tatsächlichen Schmerz stehen, und selbst da gibt es natürlich von Mensch zu Mensch unterschiedliche Intensitäten.

Trost durch emotionale Begleitung

Trost durch emotionale Begleitung ist damit wohl die wichtigste Hilfestellung. Sie beinhaltet die verlässliche, ehrliche und vertraute Nähe von Menschen, die versuchen, Gefühle zu verstehen, das Gefühl von Schutz und Geborgenheit vermitteln, Respekt haben vor individueller Trauer und auch Schamgefühlen, Menschen, die einfach Anteil nehmen.

Trost durch Kommunikation und Antworten

Trost durch Kommunikation und Antworten setzt Offenheit voraus: ein offenes, unverkrampftes Gespräch ist meist tröstlicher als ein “Das verstehst du noch nicht!” oder “Dafür bist du noch zu klein!”, denn dies beinhaltet eine Bewertung des trauernden Kindes, was dieses zusätzlich verunsichern kann und einer mutmachenden Gemeinsamkeit widerspricht.
Sich mitteilen könne und dürfen ist der eine Teil, aber auch zu hören, dass andere ähnliche Gefühle haben, kann ungemein trösten.
Ein Klima der Akzeptanz und des Verständnisses erhöht auch die Möglichkeit, bei z.B. Tod eines Menschen, naturphilosophische Fragen zu besprechen, auf die Veränderungen und die Vergänglichkeit des Lebens anhand anderer Beispiele einzugehen, und kann dabei behilflich sein, Perspektiven aufzuzeigen.

Trost durch Sich-Erinnern, durch Hoffnung

Trost durch ein Sich-Erinnern, durch Hoffnung bedeutet, sich die inneren Bilder bewahren zu können, sie immer wieder dann hervorholen zu können, wenn einem danach zumute ist.
Gemeinsam können Kinder mit Erwachsenen Abschiedsschmerz mildern, wenn sie eine Brücke bauen, wenn sie ein Verbindungsobjekt als Trost und Halt finden oder herstellen.
Hoffnung ist der Ansatz für das Neue, ist eine offene Richtung und kann wachsen, indem auch Erinnerungen ihren Platz haben, aber die Lebensperspektive wieder die eigentliche Führung übernimmt.

Trost durch Alternativen für den Augenblick

Trost durch Alternativen für den Augenblick, das kann sein: ein gemeinsames Spiel, die Erfüllung eines Wunsches, ein Spaziergang, ein Kopfstreicheln oder eine Umarmung, ein einfaches Zusammensitzen … Anke Agius-Gilbert

“lange saßen sie dort und hatten es
schwer, aber sie hatten es gemeinsam
schwer und da war ein Trost.
leicht war es trotzdem nicht.”
(Astrid Lindgren - Ronja Räubertochter)

Quellen: Theorie und Praxis der Sozialpädagogik: “Kinder und der Tod”, 2/91; “Trennungen im Leben der Kinder”, 5/86 “Die magischen Jahre”, Selma Fraiberg: rororo

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